Geliebtes Mutterkraut – nicht nur eine wertvolle Heilpflanze, sondern auch eine liebliche Blume in meinem Garten – Ein Pflanzenportrait

Auf einem Flohmarkt in Niederbayern habe ich vor Jahren von einer alten Frau eine wunderschöne, mit kleinen weißen Blüten, die etwas an Kamille erinnern versehene Staude gekauft. Sie erzählte mir, sie stamme aus Ihrem Bauerngarten und früher, in Ihrer Jugend, hätte man daraus auf dem Land (als Ersatz für die teuren Margeriten) Blumenkränze und Haarschmuck zu besonderen, meist kirchlichen Anlässen geflochten. Zuhause angekommen pflanzte ich sie sofort ins Beet neben die Bernstein-Rose, mit der sie perfekt harmonierte. Auffallend war der würzige, aromatische Geruch der Blätter.

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Ich fand heraus, dass ich hier einen echten Schatz gefunden hatte: ein Mutterkraut! (Tanacetum Parthenium) – eine Heilpflanze, von deren Heilkraft bereits in der Antike durch Dioskurides berichtet wurde. Auch im Mittelalter wurde das Kraut hoch geschätzt. Heutzutage wird sie oft als Gartenunkraut verschmäht oder man findet sie verwildert in der Nähe von Feldern, wo es nährstoffreiche Lehmböden gibt. Ursprünglich stammt das Mutterkraut aus dem östlichen Mittelmeerraum, von wo es vor langer Zeit nach Mittel- und Westeuropa gebracht wurde.  Hildegard von Bingen (1098 bis 1179) machte das Mutterkraut zusehends populärer: «Wer an kranken Eingeweiden leidet, koche Mutterkraut mit Wasser und Butter oder Öl und gebe etwas Dinkelmehl hinzu. Daraus bereite eine Suppe, denn es hilft den Eingeweiden». Heute ist bekannt, dass die fettlöslichen (lipophilen) Inhaltsstoffe der Pflanze in Kombination mit Fett (Butter) im Organismus optimal aufgenommen werden.

Das Mutterkraut, auch Bocksblum, Jungfernkraut, Breselkraut, Mägdeblümen, falsche Kamille, Fieberkraut oder Römische Kamille genannt findet seine Anwendung traditionell in der Frauenheilkunde. Es wirkt regulierend und krampflösend. In den Wechseljahren gleicht es den Hormonhaushalt aus. Ebenso hilft «Die Mutter des Aspirins», wie sie in Großbritanien beschrieben wurde bei Kopfschmerzen und effektiv gegen Migräne. Hierzu sollte man es prophylaktisch regelmäßig einnehmen.

Das gute Mutterkraut hilft gegen Erkältungen und Fieber, bei Husten erleichtert es das Atmen. Als Tee getrunken –am besten mit etwas Honig.

Und noch mehr kann es: Es ist verdauungsfördernd und soll auch bei Depressionen, Ohrensausen und rheumatischen Erkrankungen helfen. Äußerlich kann man es gegen Insektenstiche anwenden, gegen eitrige Wunden, Parasiten, Läuse und geschwollene Füße.

Die enthaltenen Parthenolide hemmen die Bildung von Prostaglandinen sowie die Freisetzung von Serotonin aus den Blutplättchen. Sie werden neuerdings auch als mögliche Grundlage eines neuen Medikamentes gegen Leukämie angesehen.

Wow! Ich glaube, es kann nicht schaden, immer etwas davon im Garten zu haben.

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Die gesammelten Samen vom letzten Jahr kommen ins Beet.

So, jetzt aber zur Schönheit. Sie ist eine –normalerweise- Winterharte Staude. Im Frühjahr wachsen zuerst die hellgrünen gelappten Blätter an verzweigten Stängeln. Von Juni bis September blüht das Mutterkraut mit Blüten, die stark an Kamille oder Gänseblümchen erinnern. Zuerst bilden sich die Körbchen mit den gelben Blüten. Erst nach und nach wachsen die weißen Zungenblüten, die jedoch eher kürzer als die der Kamille sind. Es gibt sowohl gefüllte als auch ungefüllte Versionen, dabei ist zu beachten dass die ungefüllten angeblich mehr Heilkraft besitzen. Das Mutterkraut kann bis zu 80 cm hoch werden. Eine einzelne Pflanze kann sich so stark verzweigen, dass sie fast einen Quadratmeter bedeckt.

Das hübsche Kraut passt wunderbar zu alten, romantischen Rosen, besonders zu unten kahl gewordenen Kletterrosen, wodurch die blattlosen Stängel gut verdeckt werden können. Schöne Kombinationen ergeben sich auch mit Taglilien oder hohen Glockenblumen. Auch hinter dem gleichzeitig blühenden Frauenmantel macht es eine gute Figur. Romantisch wirkt es an einem vergrauten Holzzaun und im Bauerngarten.

Meine erste Mutterkraut- Pflanze zeigte leider nach einiger Zeit Ermüdungserscheinungen. So nahm ich sie aus der Erde, säuberte die Wurzeln mit Wasser und entdeckte dabei: AMEISEN LARVEN. Ich topfte sie in frische Erde und stellte sie etwas abseits in der Hoffnung sie würde überleben. Leider tat sie es nicht – aber Gott sei Dank hatte ich mir einige Samen abgenommen – und sie hatte – wie ich voller Freude in jedem Frühjahr feststelle – bereits selbst für Nachwuchs gesorgt.

Im Laufe der Zeit habe ich mir noch mehrere andere Sorten zugelegt, die tapfer jeden Winter überstehen und mich jedes Jahr aufs Neue erfreuen mit Ihren hübschen kleinen Gesichtern. Fast täglich nasche ich (naschen ist übertrieben, es ist ziemlich bitter…) ein kleines Blättchen und habe seither ein paar Probleme weniger! Man sollte allerdings wirklich vorher kurz testen ob man nicht allergisch ist – und Schwangere sollten die Finger davon lassen.

Zu Beginn der Blüte kann man die Pflanze komplett ernten und zum Trocknen an einem luftigen Plätzchen aufhängen. So hat man auch im Winter immer ein paar Blätter parat. Aber auch frisch auf einem Butterbrot kann man das gute Mutterkraut zu sich nehmen.

Sollte ich der alten Frau vom Flohmarkt noch einmal begegnen, werde ich mich ganz herzlich bei Ihr für dieses „Geschenk“ der Natur bedanken.

Weitere Infos findet Ihr bei: https://de.wikipedia.org/wiki/Mutterkraut

©Copyright meineauszeitblog.wordpress.com 2018

 

 

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